SPEISEWAGEN - Ein Filmprojekt von Andrea Maria Dusl

Synopsis Anne trägt ein böses Geheimnis mit sich, als sie in Düsseldorf den InterCityExpress 1753 nach Dresden besteigt. Aber Anne wird nie in Dresden ankommen. Denn die attraktive Frau hat eine Bombe an ihren Körper geklebt. Und mit dem Finger am Auslöser kapert sie das Bord-Restaurant des ICE, in dem sie sitzt. Mit Personal und Passagieren.

Speisewagen ist ein Film über die Entführung eines Speisewagens. Er erzählt die Geschichte von Anne, der entlassenen Physik-Lehrerin und ihren sechs Geiseln: Einem tingelnden Kaufhaus-Moderator, einer knallharten Aktienhändlerin, einem Traktorvertreter und seiner für Wetten-Dass übenden Tochter, einem psychotischen Frühpensionisten mit DDR-Vergangenheit, einem hinkenden Kellner und seinem wortkargen Kochkollegen. Sie alle sind unfreiwillig in dem engen, heissen Wagon zusammengesperrt.

Alles geht gründlich schief. Die Behörden gehen nicht auf Annes Forderungen ein. Stattdessen wird der Speisewagen von ihnen auf ein abgelegenes Nebengeleis gestellt. Gerade in der Nähe: Der ehemalige Todesstreifen an der innerdeutschen Grenze. Hier im Niemandsland der Geschichte fiebern Anne und ihre Geiseln einer ungewissen Zukunft entgegen. Annes Forderungen? Behandlung für ihren schwerkranken Bruder, der im Treibsand der Zwei-Klassenmedizin untergegangen ist. Zermürbende Verhandlungen beginnen.

Annes Argumente: Sieben Päckchen Semtex-Sprengstoff, an ihren Körper geklebt.

Nach zwei Tagen kippt die Stimmung im Wagon. Das Stockholm-Syndrom und die unverblümte Reflexion über der Schattenseiten des globalisierten Europa macht aus Geiseln Verbündete. Machtlos und gefangen finden sie sich auf Annas Seite wieder. Der Kaufhaus-Moderator fängt als erster Feuer. Annes Forderungen hängt er eigene an, Hartz will er abschaffen und noch mehr. Und als sich auch andere mit eigenen Forderungen anschliessen, geht die Sache erst richtig in die Hose. Die freigelassene Aktienhändlerin tritt im Todestreifen auf eine Mine, aus der naiven Entführung wird eine handfeste Tragödie.

Längst geht es nicht mehr um Forderungen, private oder kollektive, sondern um die Wahrheit, die draussen verdreht wird. Entnervt, apathisch und belogen geht es der zusammengewürfelten Gesellschaft aus Geiseln, Entführerin und Sympathisanten schliesslich nur noch um fünf Minuten Fernsehzeit. Und die kriegen sie dann auch. Als sich der Deal mit dem Statement als Finte herausstellt, treten Anne und ihr neuer Freund, der Kaufhausmoderator, die Flucht nach vorne an. Mitten durch den verwilderten Minenstreifen. Jetzt geht es nicht mehr um die Wahrheit, um Primetime, kranke Brüder oder Hartz, jetzt geht es um Leben oder Tod.